Empfehlungen für die Umsetzung des Energiekonzepts des Bundes: Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP analysiert alternative Sanierungsfahrpläne

Presseinformation / 27.8.2013

Das Energiekonzept der Bundesregierung kann die künftigen Wohn-kosten je nach Art der Umsetzung unterschiedlich stark erhöhen. Das ergab die Studie »Energetische Gebäudesanierung in Deutschland« des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP und der TU Darmstadt, in der die Wissenschaftler verschiedene Lösungsansätze erarbeitet haben. Im Fokus der Fraunhofer-Forscher standen dabei zwei unterschiedliche Szenarien – ein technologieoffener und ein technologiegebundener Ansatz – die im direkten Vergleich analysiert und bewertet wurden. »Aus technischer und ökonomischer Sicht ist ein technologieoffener Sanierungsfahrplan mit konkreten Zielvorgaben, jedoch ohne Fest-legung einer bestimmten Umsetzungsart der kostenoptimale Weg«, sagt Hans Erhorn, Leiter der Abteilung Wärmetechnik im Fraunhofer IBP.

Ergebnisse der Studie »Energetische Gebäudesanierung in Deutschland«

In Auftrag gegeben hatte die Studie das Institut für Wärme- und Öltechnik e.V. IWO. Darin sollten das Fraunhofer IBP und das Forschungscenter für betriebliche Immobilienwirtschaft FBI der TU Darmstadt untersuchen, welcher Weg sich am besten eignet, die angestrebte Primärenergieeinsparung zu erreichen und gleichzeitig die finanzielle Belastung für Eigentümer und Mieter so gering wie möglich zu halten. Das Konzept der Regierung sieht vor, den Primärenergiebedarf für die Raumwärmeerzeugung privater Haushalte bis 2050 um 80 Prozent zu senken.

Bei Fortführung des aktuellen Trends mit einer Sanierungsquote von etwa 1% pro Jahr sinkt der Energieverbrauch bis 2050 um ca. 64 Prozent. Um die noch fehlenden 16 Prozent einzusparen, müssen im Bereich der energetischen Sanierung effizientere Technologien entwickelt werden, sowie die Sanierungs­aktivitäten gesteigert werden. Das Energiekonzept der Bundesregierung legt diese Veränderungen bei seinen Annahmen zwar zugrunde, die Finanzierung der Maßnahmen müssen jedoch die privaten Haushalte übernehmen. Wie die Studie von Fraunhofer IBP und FBI aufzeigt, müssen bis 2050 somit 2,1 Billionen Euro in die Sanierung von Ein- oder Mehrfamilienhäuser investiert werden.

Sanierungsfahrpläne für die Energiewende

Das Fraunhofer IBP war während der Studie für die Entwicklung und energetische Bewertung alternativer Sanierungsfahrpläne zuständig. Dazu wurden drei verschiedene Varianten betrachtet: Im Basis-Szenario beschreiben die Wissenschaftler die momentane Entwicklung des Sanierungsverhaltens unserer Gesellschaft und die angekündigten Verschärfungen der Anforderungen durch die Regierung. Dies ist zur Zielerreichung aber nicht ausreichend. Das zweite und dritte Szenarium zeigen unterschiedliche Vorgehensweisen, um die Vorgaben des Energiekonzepts der Regierung einzuhalten. Letztere wurden eigens vom Fraunhofer IBP entwickelt und miteinander verglichen. Bei dem ersten Fahrplan handelt es sich um einen technologieoffenen Ansatz, in dem Immobilieneigentümer die Energie­einsparmaßnahmen wie beispielsweise Außen- oder Innendämmung, frei wählen können, solange damit das Energiesparziel erreicht wird. Der technologiegebundene Ansatz schreibt den Eigentümern per Gesetz die Art der Maßnahmen und deren zeitliche Umsetzung vor.

Das Forschungszentrum Betriebliche Immobilienwirtschaft FBI der TU Darmstadt prognostizierte die Kosten der Ansätze für die Umsetzung und analysierte die finanzielle Belastung für Eigentümer und Mieter. So konnten die Forscher die beiden Sanierungsfahrpläne im unmittelbaren Vergleich bewerten.

Technologiegebundener versus technologieoffenen Ansatz

Das Ergebnis ist eindeutig: Der technologiegebundene Ansatz ist mit rund 2,1 Billionen Euro um 22 Prozent kostenintensiver als der technologieoffene, der mit rund 1,7 Billionen Euro zu Buche schlagen würde.

 Mit einem technologieoffenen Sanierungsfahrplan lassen sich die Kosten je nach Gebäudetyp zwischen 16 und 33 Prozent reduzieren. Haushalte, die ein Nettoeinkommen von unter 2000 Euro haben, müssen im Falle einer techno­logiegebundenen Regulierung mit einer Wohnkostensteigerung bis 2050 um 26,4 Prozent rechnen, bei der technologieoffenen Variante wären es noch 19,6 Prozent.

Die Studienersteller sprechen sich für den technologieoffenen Sanierungs­fahrplan mit einer konkreten Zielvorgabe aus. Allgemein gültige, technologieoffen formulierte Sanierungsfahrpläne schaffen neue Zielhorizonte und Planungssicherheit für die Baubranche wie auch für die Eigentümer und Mieter. Unterstützend ist zudem eine etappenweise Betrachtung mit Zwischenzielen sinnvoll. Eine Festlegung auf eine technologiegebundene Umsetzungsart, um das Energiesparziel zu erreichen, halten sie jedoch für kritisch. Es müssen auch künftig individuelle und situationsbedingte Gegeben­heiten der Wohngebäude bei Sanierungen Berücksichtigung finden, damit Kosten minimiert werden können.

Die Studie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.