Biologie

Gebäude-Hygiene und Materialpathologie

Bei Materialien und Konstruktionen, die von unerwünschtem mikrobiellem Wachstum betroffen sind, erfolgt eine detaillierte mikrobiologische und ökophysiologische Anamnese und Diagnostik. Mithilfe einer einzigartigen Kultursammlung an material-, bauteil- und innenraumrelevanten Mikroorganismen unter Einsatz klassischer und molekularbiologischer Methoden erfolgt eine taxonomische Klassifizierung. In diesem Zusammenhang werden auch Konzepte zur Abwehr, Vorbeugung und zum Management von unerwünschter mikrobieller Kontamination erarbeitet. Auch der Frage nach der mikrobiellen Sicherheit und Hygiene bei Problemen in Innenräumen, wie z. B. nach Wasserschäden oder bei gesundheitlichen Problemen (durch z.B. biogene Aerosole, Endotoxine, Mykotoxine etc.) wird nachgegangen. Neben Festphasen wie Baumaterialien und deren Oberfläche werden auch Flüssig- und Gasphasen mikrobiologisch charakterisiert, etwa Wasseraufbereitungsanlagen (WaBoLu-Diagnostik).

Ökologie, Biotechnologie

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der organismischen Ökologie des gebauten Raumes. Dabei stehen nicht allein negative, sondern auch potentielle positive Auswirkungen des den Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung betreffenden Mikrobioms im Fokus. Die ökologischen Auswirkungen (Ökotoxikologie) von Baustoffen, z. B. von Ablaufwässern, werden charakterisiert. Für diesen Arbeitsbereich stehen umfangreiche ökotoxikologische Prüfeinrichtungen zur Verfügung. Die lebende Datenbank (Sammlung baurelevanter Mikroorganismen) unterstützt darüber hinaus auch die Entwicklung/Verbesserung neuer biotechnologischer Verfahren die zunehmend im Umfeld des gebauten Raumes Anwendung finden. Modellanlagen für aerobe und anaerobe Fermentationsprozesse ermöglichen die Untersuchung von Überwachungssystemen zur verbesserten Steuerung von Industrieanlagen sowie von biofermentativen Recyclingprozessen.

Testverfahren, Isoplethenbereiche

Zahlreiche biologische Tests nach Normen, nach externen Vorgaben oder nach selbst entwickelten Standards erlauben die Ermittlung der mikrobiellen und hygienischen Eigenschaften von Materialien. Mithilfe eines speziellen Versuchsaufbaus werden Materialien und Materialverbünde entsprechend dem Isoplethensystem charakterisiert und ihre natürlichen Resistenzbereiche definiert. Neben der Freilandbewitterung werden auch Kurzzeitverfahren entwickelt und angewendet. Im Zusammenhang mit neuen Einsatzmöglichkeiten von nachhaltigen Rohstoffen und Konstruktionen im Bau werden biologische Fragestellungen bearbeitet (z. B. Biokomposite). Darüber hinaus arbeiten wir an intelligenten Materialien wie z. B. selbstreinigenden Oberflächen, energiegepufferter Beschichtung durch Phasenübergänge, gezielter Strahlungsreflexion, Demand-controlled Release von Wirkstoffen und ihrem Einfluss auf Mikroorganismen, etc.. Konzepte im Sinne der Systembionik werden erstellt und erforscht.