Optimierung und Abschirmung von Hecken und Gehölzen

© Fraunhofer IBP
© Fraunhofer IBP
© Fraunhofer IBP

Hecken und Gehölze erfüllen in unserer Umwelt - insbesondere in den dicht besiedelten urbanen Zentren - viele wichtige Funktionen: sie erzeugen Sauerstoff, filtern die Luft, dienen als Sicht- und Windschutz, bieten Lebensraum für Vögel und Insekten, dienen als strukturierende und abgrenzende Elemente und tragen durch ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern, zu einem ausgeglichenen Mikroklima bei. Für den städtebaulichen Schallschutz werden sie jedoch kaum genutzt. In den maßgeblichen Planungsrichtlinien wird die Bewuchsdämpfung so niedrig angesetzt, dass eine merkliche Lämminderung rechnerisch nur bei großflächigen Grünanlagen erreichbar ist. In DIN ISO 9613-2 wird beispielsweise eine Bewuchsdämpfung von α = 0.06 dB/m bei 1000 Hz für alle Arten von Bewuchsflächen angegeben, unabhängig von der Art der Pflanzen, ihrer Dichte und ihrer Höhe. Dies führt zu einer rechnerischen Pegelminderung von 3 dB bei einer 50 m breiten Bewuchsfläche. Dabei wird jedoch übersehen, dass die Angaben in den Richtlinien lediglich Mindestangaben darstellen, die in der Praxis häufig deutlich übertroffen werden können.

In der Literatur wird von Messungen berichtet, bei denen um bis zu zehnfach höhere Dämpfungen als in DIN 9612-2 ermittelt wurden. Diese Messungen wurden an natürlichen Bewuchsflächen durchgeführt, die nicht auf ihre akustische Wirksamkeit hin optimiert wurden, so dass das Potenzial von geeigneten Hecken weit darüber hinaus gehen dürfte. Neben diesen objektiven Messdaten sprechen auch psychologische Aspekte für den Einsatz von Pflanzen im städtebaulichen Schallschutz. So wird die Schallschutzwirkung von Hecken von betroffenen Anwohnern subjektiv oft besser bewertet, als die von Lärmschutzwänden, obgleich die akustischen Messdaten das Gegenteil aussagen.

Derzeit bestehen fast keine Kenntnisse über eine geeignete Gestaltung von Schallschutzhecken und deren Wirksamkeit. Auch über die akustischen Eigenschaften von Heckenpflanzen ist bislang nur sehr wenig bekannt. Daher wird in dieser Studie untersucht, welche Pflanzen sich für Schallschutzzwecke aus akustischer Sicht besonders eignen, wie sie gepflanzt werden sollten, welche Abmessungen eine Hecke besitzen sollte und wie sich weitere Einflussfaktoren wie Bewuchsdichte, Blattfläche, Form und Dicke der Blätter, etc. auf die akustischen Eigenschaften auswirken. Die Untersuchungen erfolgen sowohl durch Messungen unter idealisierten Bedingungen im Labor als auch an realen Hecken im Freien. Weiterhin werden rechnerische Modelle eingesetzt, wobei das Ziel darin besteht, Dämpfungs- und Absorptionskoeffizienten zu bestimmen, die Schallschutzwirkung zu verbessern und verlässliche Bemessungsgrundlagen für die Städte- und Landschaftsplanung zu erarbeiten.