Entwicklung einer innovativen Orgelpfeifen-Konstruktionsmethode

Europäisches CRAFT-Projekt (Co-operative Research Action For Technology

© Fraunhofer IBP

Die Herstellung von Orgelpfeifen ist ein traditioneller Industriezweig in Europa. Dabei ist für die kleinen und mittleren Unternehmen der Orgelbauer die Qualität der Orgelpfeifen von entscheidender Bedeutung für ihre Konkurrenzfähigkeit. Wir unterscheiden zwei Qualitätsaspekte, zum einen die technische Qualität, womit die Qualität der Orgel als technisches Produkt gemeint ist, und zum anderen die ästhetische Qualität, die die Klangqualität der Orgel bezeichnet. Die Klangqualität ist insofern ein wesentlicher Faktor, als sie die Handschrift des Orgelbauers trägt und seinen guten Ruf begründet. Die Klangqualität der Pfeifenreihen (Register) ist abhängig von der Dimensionierung (Mensuration) sowie von der Intonation der Pfeifen. Das Ziel von Mensuration und Intonation ist es, die geforderte Qualität des wahrgenommenen Klangs zu garantieren, indem die geometrischen Parameter der Pfeife richtig ausgewählt und angeglichen werden.

Bis heute wird die Dimensionierung von Orgelpfeifen nach den Mensurationsregeln, die im vergangenen Jahrhundert festgelegt wurden, ausgeführt. Pfeifenreihen (Register), die nach diesen Regeln dimensioniert sind, können im Allgemeinen nicht die geforderte Qualität in bestimmten Tonhöhenbereichen erreichen, weil durch die Intonation einzelner Register sich regelmäßig ein Bereich ergibt (eine Oktave oder mehr), in dem der gewünschte Klangcharakter der Pfeifen nicht erzielt werden kann. In diesem Fall muss ein kleines oder mittleres Unternehmen viel Arbeit in den Versuch investieren, den gewünschten Klang zu erreichen, was, wie sich letztlich herausstellen wird, physikalisch nicht möglich ist, weil die Dimensionierung der Pfeifen nicht adäquat ist.

Der Orgelbau ist ein traditionelles Handwerk, das erhalten werden sollte. Dennoch sollten innovative Planungsverfahren und Technologien in der täglichen Praxis angewandt werden, ohne dass dabei die wertvollen Traditionen gefährdet werden. Die teilnehmenden kleinen und mittleren Unternehmen sind überzeugt, dass neue und zuverlässigere Mensurations- und Intonationsverfahren im Orgelbau gebraucht werden, um eine hohe Klangqualität zu garantieren und die Kosten für Pfeifenorgeln zu reduzieren.

 

Ziele des Forschungsprojekts:

Anwendung der neuesten Ergebnisse der subjektiven Akustik und der Forschungsergebnisse zur Orgelpfeifenakustik zur Bestimmung der Interdependenz von Klangqualität, geometrischen Dimensionen und Form der Labialorgelpfeifen. Dieses Wissen wird zur Entwicklung einer wissenschaftlichen Mensurationsmethode genutzt werden.

  • Eine Mensurationsmethode auf der Grundlage von subjektiven Gesetzen der Akustik zur Dimensionierung von Labialorgelpfeifen.
  • Eine Software zur Planung der Orgelpfeifendimensionierung für die wichtigsten Pfeifenreihen (Register)
  • Ein Instrument zur Messung und Aufzeichnung des Einschwingvorgangs (der Ansprache) des Pfeifenklangs. Dieses Instrument kann auch für die Ausbildung von jungen Intonateuren verwendet werden.
     

Vertrags-Nr. G1ST-CT-2002-50267

KMU-Partner

  • Werkstätte für Orgelbau Mühleisen GmbH, Leonberg, Bundesrepublik Deutschland (Projektkoordinator)
  • Manufacture d'Orgues Muhleisen, Strasbourg, Frankreich
  • Christian Scheffler Orgelwerkstatt, Sieversdorf (Frankfurt/Oder), Deutschland
  • Orgelbau Schumacher, Baelen, Belgien
  • Blancafort, orgueners de Montserrat S. L., Collbato, Spanien
  • Oficina e Escola de Organasia, Ltd., Esmoriz (Porto), Portugal
  • Fratelli Ruffatti Pipe organ builders, Padova, Italien
  • Marc Garnier Orgues, Les Fins, Frankreich
  • Pécsi Orgonaépitö Manufaktúra KFT, Pécs,Ungarn
  • Mander Organs, London, Großbritannien
  • Orgelmakerij Boogaard, Niederlande

Partner für Forschung und technologische Entwicklung

  • Academy of Performing Arts, Prague, Tschechische Republik
  • Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart, Deutschland