Multifunktionale Betondecke - thermisch und akustisch aktiv

REAPOR-Streifen werden als Schallabsorber in thermisch aktiven Geschossdecken integriert. Bei der Verschalung dienen sie zugleich zur Positionierung von Bewehrung und Rohren.
© Innogration

In der Rohbauphase vor dem Verputzen sind sie noch sichtbar.
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In der Rohbauphase vor dem Verputzen sind sie noch sichtbar.
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Der Anteil geistiger Arbeit hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Ob im Büro, in der Schule oder in Kommunikationsräumen, die Optimierung der Rahmenbedingungen in den Arbeits- und Lebensräumen ist Grundvoraussetzung für den Erhalt und die Steigerung von Leistungsfähigkeit und Motivation. Nicht zuletzt aufgrund von Platz- und Flächenmangel sind optimierte Bauprodukte, die gleichzeitig mehreren Zwecken dienen, eine gefragte Innovation. Dazu gehört auch die multifunktionale Betondecke des Fraunhofer IBP.

Bei Sommerhitze können z.B. thermisch aktivierte Betondecken das Raumklima energieeffizient steuern. Allerdings ist eine abgehängte Unterdecke, die bislang für akustische Raumdämpfung benutzt wurde, auf Grund ihrer isolierenden Wirkung nicht mehr anwendbar. Die unverzichtbare Raumakustik ist also anders zu lösen, d. h. thermisch neutrale und akustisch aktive Lösungen sind gefragt.

So genannte Gitterstrukturen sind für ihre besonderen Effekte in der Physik bekannt. Sie lassen sich auch zur Lösung dieses akustischen Problems nutzen, in dem periodische Streifen aus schallabsorbierendem Material in die Betondecke bündig eingebettet werden. Die Werkstoffwahl fiel auf das prorosierte Recycling-Glas Reapor®, bei dem oberflächenporöse Glaskügelchen mittels Sinterung druckstabil verbunden sind. Zur Einfügung der Streifen in die Decke werden sie bereits bei der Verschalung mit Profilen verlegt, die zugleich zur Positionierung von Bewehrung und Rohren dienen. Abschließend lassen sich Decke und Absorberstreifen verputzen, so dass fugenlose Schallabsorption für gute Raumakustik sorgt. Da die Streifen nur wenig Fläche belegen, wird die thermische Wirkung der Decke nur minimal beeinträchtigt. Diese Integration von thermischer und akustischer Funktionalität in Theorie und Praxis bietet auch der Gestaltung den Spielraum, um moderne Architektur und leistungsfördernde Raumbedingungen zu verknüpfen.