Arbeitsgruppe Evaluierung und Demonstration

Neue Wege beim Bau von Gebäuden oder bei der Sanierung des Gebäudebestands zu gehen, das erfordert vom Investor Mut. Gebäude- und Anlagenplaner greifen bevorzugt auf Bekanntes und Bewährtes zurück. Der Baubranche wird daher auch häufig vorgeworfen, konservativ zu sein. Politisch ist in Deutschland und Europa einvernehmlich gefordert den Gebäudebestand innerhalb der nächsten 30 Jahre klimaneutral umzugestalten. Die Dekarbonisierung der Industriegesellschaft (kohlenstoffarme Weltwirtschaft) ist als Langfristperspektive auf dem Klimagipfel in Paris festgeschrieben worden. Um den fossilen Energieverbrauch der bestehenden und neu zu errichteten Gebäude signifikant zu senken, sind aber neue Lösungen zwingend notwendig. Demonstrationsgebäude nehmen hier eine Schlüsselrolle ein. Sie zeigen neue Lösungsansätze auf, sie sind die Keimzellen einer energiesparenden Gebäudetechnologie. Sie demonstrieren die Machbarkeit und regen zur Nachahmung in großer Serie an.

Die Gebäudehülle ist die zentrale Schnittstelle zur Außenwelt, die den Energiebedarf eines Gebäudes und die Behaglichkeit in den einzelnen Räumen definiert. Gleichzeitig ist bekannt, dass das Nutzerverhalten einen wesentlichen Einfluss auf den Energieverbrauch hat. Dies ist eine der Ursachen dafür, dass die kalkulierten Energiebedarfswerte von Gebäuden in der Praxis von den gemessenen Energieverbräuchen zum Teil signifikant abweichen können.  Einflussfaktoren auf den Energieverbrauch sind sowohl das thermische Komfortniveau in dem jeweiligen Gebäudebereich als auch das Lüftungsverhalten. Durch maßgeschneiderte Messprogramme lassen sich spezifische Fragestellungen in den Demonstrationsvorhaben analysieren und die Praxistauglichkeit überprüfen.

Das Fraunhofer IBP hat mittlerweile über 250 Demonstrationsvorhaben weltweit realisiert und messtechnisch evaluiert. Es verfügt daher über einen großen praktischen Erfahrungsschatz und über eine große Datenbasis zum Nutzerverhalten und Effizienzkennwerten. Die Arbeitsgruppe Evaluierung und Demonstration berät hierzu bereits in der Planungsphase Industriepartner, Bauherren und Investoren zu deren neuartigen und innovativen Gebäude- und Anlagensysteme. Dazu gehören auch Systeme zur Qualitätskontrolle, ohne die hocheffizient geplante Gebäude nicht umgesetzt werden sollten. Durch die Anwendung der Methoden und Werkzeuge, die die Schadensanalyse bietet, können die Ursachen von Fehlentwicklungen ermittelt werden. Die Erfahrung aus Forschung und Entwicklung wird durch die Mitarbeit in Normungsgremien in die Normung eingebracht.