Soziale Aspekte

Faires Arbeiten entlang der Wertschöpfungskette

Der schonende Umgang mit Ressourcen, eine umweltverträgliche Produktion, die faire Behandlung von Arbeitnehmern und weitere Aspekte der Nachhaltigkeit spielen bei der Herstellung und Vermarktung von Produkten eine zunehmend entscheidende Rolle für Industrieunternehmen. Für die ökologische und ökonomische Betrachtung unter Berücksichtigung der Wertschöpfungskette haben sich Methoden etabliert, die sowohl in der Industrie als auch in der Forschung angewandt werden.

Im Gegensatz dazu wird die produktbezogene Bewertung sozialer Aspekte entlang der Wertschöpfungskette – und über den gesamten Lebenszyklus – bisher noch wenig oder nur qualitativ berücksichtigt.

Die von der Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung entwickelte LCWE-Methode (engl. Life Cycle Working Environment) ermöglicht die Quantifizierung und Bewertung sozialer Aspekte eines Produktes oder Produktsystems entlang der Wertschöpfungskette. Als Ergebnis steht dem Anwender ein Sozialprofil zum Produkt zur Verfügung, das in seiner Detailtiefe bis in einzelne Prozessschritte reichen kann – analog dem ökologischen Profil der Ökobilanz.

Bisheriger Fokus der Forschungsarbeiten der LCWE-Methode in der Abteilung stellt die arbeitsplatzbezogene Analyse im sozialen Produktumfeld und die Erarbeitung entsprechender Indikatoren dar. Arbeitsplatzbezogene Indikatoren eines LCWE-Sozialprofils sind beispielsweise:

  • die Gesamtarbeitszeit je Prozessschritt und Produkt,
  • der Anteil unterschiedlicher Qualifikationsniveaus je Prozessschritt und Produkt,

  • der Anteil an Frauenarbeit je Prozessschritt und Produkt sowie

    die Anzahl der nicht-tödlichen und tödlichen Unfälle.

Derzeit konzentriert sich der Forschungsschwerpunkt auf die Erweiterung der LCWE‑Methode im Sinne einer Regionalisierung für die arbeitsplatzbezogene, soziale Analyse von Wertschöpfungsketten. Hierbei steht zum Beispiel die Analyse und Abbildung der Arbeitsplätze vor Ort sowie deren Qualifikationsniveaus auf lokaler Ebene im Vordergrund, die einen Beitrag zur Stärkung im regionalen Wettbewerb leisten. Darüber hinaus sollen neue arbeitsplatzbezogene Indikatoren (wie z.B. Kinderarbeit, faire Löhne etc.) entwickelt und in die bestehende Methode implementiert werden.

Weiterhin untersucht die Abteilung neue Anwendungsfelder der Methode, um sowohl unternehmensinterne als auch externe Fragestellungen adäquat adressieren zu können:

  • Kann die Methode helfen, soziale Gegebenheiten in der Wertschöpfungskette transparent darzustellen, um soziale Unternehmensziele systematisch nachzuverfolgen?

  • Wie unterstützt die Analyse via Sozialprofil oder wie unterstützen die sozialen Indikatoren beim Unternehmensvergleich gegenüber dem Branchendurchschnitt oder der Konkurrenz?

  • Inwiefern eignet sich die Methode aus Unternehmenssicht zu Marketingzwecken?

  • Können LCWE-Daten beispielsweise für die Entwicklung eines Soziallabels (»Product social footprint« – in Analogie zum »Product environmental footprint«) genutzt werden?

  • Können LCWE-Daten zur Analyse und Validierung beim Erreichen von politisch-sozial motivierten Zielen mit regionalem und nationalem Ausmaß dienen?

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Transparenz und Fairness – zunehmend wichtige Aspekte bei der Kaufentscheidung.

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Globale Wertschöpfungsketten sollen für viele einen Mehrwert bringen.

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Nachhaltige Produkte – nur mit gesunden Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen.