Stilvoll beschützt

Klimatische Untersuchungen zur Einhausung eines schmiedeeisernen Tores

© Fraunhofer IBP

Zeitlicher Verlauf der relativen Feuchte

© Dratz & Dratz Architekten

Einhausung Flottmanntor, Herne

Für ein denkmalgeschütztes schmiedeeisernes Jugendstiltor, das trotz glasüberdachter Stahlbetonvitrine durch vom Wind eingetragenen Schlagregen stark bewittert wird, wurde mit Hilfe bauphysikalischer Untersuchungen rechnerisch geprüft, ob eine Kompletteinhausung Einfl üsse ausschließen könnte, welche die Korrosion beschleunigen. Ziel der Untersuchungen war, die Wirkungen der beabsichtigten Verglasung von Frontund Seitenwänden auf das Tor einzuschätzen und eine Empfehlung zur praktischen Umsetzung abzugeben.

Ausgehend von den klimatischen Bedingungen für das Tor ohne Einhausung wurden die Auswirkungen der Einhausung auf die klimatischen Verhältnisse um das Tor betrachtet. Die Berechnungen wurden mit dem am Fraunhofer IBP entwickelten und mehrfach validierten Raumklimamodell WUFI®-Plus durchgeführt. Dabei waren folgende Fragestellung zu berücksichtigen: Welches Raumklima ergibt sich bei unterschiedlichem Luftwechsel und welche Empfehlungen bezüglich des Luftwechsels können gegeben werden? Dabei lag besonderes Augenmerk auf der relativen Feuchte und der Temperatur sowie deren Schwankungen. Solare Einstrahlung und Frost waren ebenfalls zu berücksichtigten. Untersucht wurde auch, inwiefern sich Tauwasser an den Glasscheiben sowie am Tor selbst bildet. Da für die Tauwasserbildung der Wärmedurchgangskoeffizient des verwendeten Glases eine große Rolle spielt, waren zusätzliche Berechnungen mit einem geänderten U-Wert der Glaswände durchzuführen. Obwohl die Betonvitrine bereits vor zwei Jahren erbaut worden ist, musste von einer Restbaufeuchte ausgegangen werden, da die Vitrine nahezu frei bewittert wurde. Es ist keine Beheizung vorgesehen. Ein Wärmeeintrag erfolgt lediglich in geringem Maße durch die Beleuchtung durch fünf Lampen mit je 35 Watt, welche ab beginnender Dämmerung bis Mitternacht leuchten.

Ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung ist das Auftreten von Tauwasser, das sich sowohl innen als auch außen an den Aufbauten, vorrangig an den Scheiben und an Wärmebrücken bilden kann. Das würde zum einen die Sicht auf das Tor behindern, zum anderen und deutlich gravierender, Tauwasser aufs Tor tropfen und Ablaufspuren am Beton hinterlassen.

Zusammenfassend wurden folgende Empfehlungen abgeleitet:

  • Eine vollständige Einhausung ist sinnvoll, da sie wirksam vor dem Eintrag von Regenwasser schützt.
  • Ein ausreichender Luftwechsel ist sicherzustellen. Nach der Einhausung wird zur Trocknung restliche Baufeuchte zunächst ein höherer Luftwechsel notwendig, danach kann der Luftwechsel verringert werden. Deshalb sind variable Lüftungsöffnungen zu empfehlen.
  • Wird der Luftwechsel über entsprechende Lüftungsöffnungen gewährleistet, ist eine anlagentechnische Lüftung nicht notwendig.
  • Wird vermehrt Tauwasser an der Innenseite der Einhausung festgestellt, muss der Luftwechsel erhöht werden.

Demonstrationszentrum

Das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege im Kloster Benediktbeuern

 

Geschäftsfeld

Kulturerbeforschung am Fraunhofer IBP

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