Forschung gegen feuchte Wände

Presseinformation / 18.7.2017

Zahlreiche kleine Kapellen prägen das Erscheinungsbild des Voralpenlandes mit. Zu ihnen gehört auch die Frauenbergkapelle in Sufferloh im Landkreis Miesbach. Die extremen Witterungsbedingungen dieser Gegend setzen dem Baudenkmal aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu und so wird die Kapelle seit den 1980er Jahren immer wieder saniert. Jedoch konnte das Feuchteproblem in und an der kleinen Kirche nicht gänzlich behoben werden. Nachdem das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP 2012 bereits mit Raumklimamessungen an dem Projekt beteiligt war, untersuchen die Wissenschaftler nun das Mauerwerk.

© Foto Fraunhofer IBP

Ansicht der Frauenbergkapelle von Südosten

© Foto Fraunhofer IBP

Die Frauenbergkapelle von Südwesten.

Nach Abschluss der ersten Sanierungsarbeiten an dem kleinen Barockbau mit Steilsatteldach war die Raumluftfeuchte noch immer so hoch, dass die Einrichtung nicht wieder in der Kapelle verbleiben konnte, ohne Schaden zu nehmen. Auch eine denkmalgerechte Lehmabdichtung des Fundaments brachte nicht das erhoffte Ergebnis: erneut bildeten sich im Innenraum Algen und Schimmelpilze an den Wänden und auch der Außenputz war relativ schnell wieder in einem schlechten Zustand.

In Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde das Fraunhofer IBP vom Markt Holzkirchen beauftragt, die Feuchteverhältnisse des Mauerwerks genauer zu untersuchen. »Die hohe Raumluftfeuchte wird durch die extreme Feuchte im Mauerwerk verursacht«, weiß der Fraunhofer-Wissenschaftler Stefan Bichlmair. Schon lange beschäftigen sich er und seine Kollegen mit Feuchteschutz und Klimastabilität bei der Altbausanierung und Denkmalpflege. So bietet das Fraunhofer IBP unter anderem auch zahlreiche Messverfahren und Prüfungen für die Denkmalpflege an. Die Kompetenzen liegen beispielsweise in der Entwicklung von Gesamtkonzepten für die Sanierung von historischen Gebäuden, dem Erkennen, Beseitigen und Vermeiden mikrobieller Probleme und Schäden, der Materialanalyse oder der Analyse und Bestimmung bauschädlicher Salze.

Im Falle der Frauenbergkapelle werden die Wissenschaftler am Objekt selbst und im Labor – anhand von Messungen und Probennahmen am Mauerwerk – den Grund für die hohen Feuchteverhältnisse ermitteln. Vor Ort können erste Anhaltswerte zum Saugverhalten des Mauerwerkputzes über ein wassergefülltes Prüfrohr bestimmt werden. Anschließend werden die Feuchtegehalte der Materialproben aus dem Mauerwerk im Labor in mehreren Schichten unterteilt und diese gravimetrisch gemessen. Damit erhält man das Feuchteprofil über den Wandquerschnitt. Mit Hilfe der im Labor gewonnenen Messwerte und den Messungen vor Ort können die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Ursache der Mauerwerksfeuchte ziehen. Daraus erarbeiten sie dann konkrete und denkmalgerechte Vorschläge zur dauerhaften Verringerung der schädlichen Feuchte im Gemäuer sowie im Innenraum des Baudenkmales und stellen diese dem Sanierungsteam zur Verfügung.