»Effizienzhaus Plus«

Highlights aus Forschung und Entwicklung

Eine Erfolgsstory

Im Jahr 2050, so das politische Ziel Deutschlands, soll der Gebäudebestand hierzulande nahezu klimaneutral sein. Dieses Ansinnen ist nur über innovative, energieeffiziente Gebäudestandards zu realisieren. Das Leitbild ist der vom Fraunhofer IBP definierte und im Klimaschutzplan der Bundesregierung legislaturübergreifend verankerte Effizienzhaus-Plus-Standard.

© Fraunhofer IBP

Demonstrationsvorhaben des Netzwerks »Effizienzhaus Plus«.

© BDF

Effizienzhaus-Plus-Siedlung Wuppertal.

Baulicher Schlüsselstandard für Klimaschutz und erfolgreiche Energiewende

Über ein Jahr kumuliert, wird am Gebäude mehr Energie aus erneuerbaren Quellen generiert, als dort verbraucht wird. Das »Plus« an Energie kann in anderen Gebäuden oder auch im Verkehr genutzt werden. Inzwischen testeten über 100 Familien, wie praxistauglich die Effizienzhaus-Plus-Gebäude sind – wissenschaftlich begleitet von Wissenschaftlern des Fraunhofer IBP. Das Fazit: Die Gebäude erfüllen alle gestellten Anforderungen, sind hochmodern und kleine Wohlfühloasen.

In der Zwischenzeit hat sich die erste Gebäudegeneration des Effizienzhauses Plus weiterentwickelt: zur Initiative Effizienzhaus Plus, die vom Fraunhofer IBP koordiniert wird. Diese Initiative bündelt alle durch den Bund geförderten Effizienzhaus-Plus-Modellvorhaben im In- und Ausland, aber auch private Entwicklungen. Das Netzwerk bietet mittlerweile über 150 Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Immobilienbranche, Planung und Handwerk die Möglichkeit, ihr Wissen zeitnah auszutauschen – ebenso wie ihre Erfahrungen, die sie in den Pilotvorhaben und der alltäglichen Baupraxis gewonnen haben. Zudem werden die Modellvorhaben des Netzwerks durch ein Forschungsteam des Fraunhofer IBP bei der Validierung begleitet. Hierbei werten die Forscher auch verallgemeinerbare Trends und Kenngrößen aus, die bei der Planung von Effizienzhäusern Plus und deren Weiterentwicklung helfen können. So zeigten die Forscher beispielsweise, dass die geplanten Nutzerstromverbräuche von 20 kWh /m²a sowohl bei Einfamilienhäusern als auch bei Mehrfamilienhäusern gut eingehalten werden. Die Installation von Wärmepumpen dagegen ist ein sensibler Punkt. Die Anlagen müssen detailliert
geplant und fachgerecht installiert werden – ansonsten können die prognostizierten energetischen Kennwerte nicht sichergestellt werden. Um Informationen schnell und umfassend verbreiten zu können, wurde im Zuge der Forschungsinitiative ZUKUNFTBAU eine Projekt-Webseite erstellt – auch hier waren Wissenschaftler des Fraunhofer IBP maßgeblich beteiligt. Monatsaktuell werden hier die Messwerte der einzelnen Pilotvorhaben und die Erkenntnisse aus der Begleitforschung aktualisiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Was den Neubau von Wohngebäuden angeht, so hat das Effizienzhaus Plus den Praxistest bestanden. Jetzt geht es darum, die Kosten zu minimieren. Außerdem folgt seine Ausweitung in den Nichtwohngebäudebereich. Hierbei können die Forscher des Fraunhofer IBP auf ihre umfangreichen Erfahrungen des 10 Jahre lang koordinierten Forschungsschwerpunkts »Energieeffiziente Schule – EnEff:Schule« zurückgreifen. Auch die Herausforderungen bei der Realisierung von Effizienzhaus-Plus-Siedlungen stehen auf der aktuellen Forschungsagenda des Fraunhofer IBP.

Das Effizienzhaus Plus schafft aufgrund seines Entwurfsansatzes einen Energieüberschuss während seines Betriebs. Allerdings sind der Bau, die Erhaltung und der Abriss eines Hauses ebenfalls energieaufwendig; dieser Energieaufwand muss daher langfristig bei der Bewertung der Klimaneutralität mit berücksichtigt werden. Das bedeutet, damit ein Haus wirklich klimaneutral ist, muss dieser Energieaufwand im »Lebenszyklus« des Hauses mit erwirtschaftet werden. Mit üblichen Effizienzhaus-Plus-Gebäudekonzepten ist dies jedoch ohne Probleme zu schaffen. Das Fraunhofer IBP steht Bauherren bei der Konzeption und Realisierung solcher innovativen Gebäudekonzepte mit seiner nahezu 40-jährigen Erfahrung gern beratend zur Seite.