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Wirkung und Bewertung von Trittschall bei Holzdecken

© LIGNUM

Der "Japanische Gummiball" erwies sich als eine repräsentative Schallquelle für subjektiv wahrgenommene Gehgeräusche

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In guter Nachbarschaft lässt es sich vorzüglich wohnen. Die gute Nachbarschaft ist jedoch gefährdet, wenn sich die Haustür schließt, sich aber keine Ruhe einstellt. Eine häufige Ursache dafür ist die Übertragung von Geräuschen aus der darüber liegenden Wohnung. Wird insbesondere der Trittschall nur ungenügend gedämmt, ist das Mithören unvermeidbar und jeder Schritt des Nachbarn stört. Trittschall äußert sich als tieffrequentes und impulsartiges Geräusch, das als lästig empfunden wird. Einen gewissen Schutz dagegen bieten z.B. schwimmende Estriche, die in mehrgeschossigen Wohngebäuden und immer häufiger auch in Einfamilienhäusern eingebaut werden. Die Wirksamkeit der Deckenkonstruktion ist dabei sowohl von den verwendeten Materialien als auch von der Ausführungsqualität abhängig. Beschrieben wird die Qualität zurzeit durch den Norm-Trittschallpegel, der mit einem Norm-Hammerwerk gemessen wird.

Vor allem bei Häusern in Leichtbauweise, wie z.B. mit einer Tragstruktur aus Holz, erhielt die Thematik des Trittschalls neue Brisanz. Selbst bei bewährten Deckensystemen und eingehaltenen Anforderungswerten kam es zu erheblichen Beschwerden der Bewohner. Daher gingen die Akustiker und Psychologen im Europäischen Forschungsprojekt ACUWOOD insbesondere der Bewertung von Trittschall auf den Grund. Als Maßstab diente die subjektive Beurteilung von Trittschallgeräuschen sowohl durch Testpersonen im Labor als auch durch Bewohner in ihrer realen Wohnumgebung. Die Gegenüberstellung von verschiedenen technischen Bewertungsmethoden mit der subjektiven Wahrnehmung von Gehgeräuschen auf denselben Decken ergab deutliche Unterschiede. So wurde klar, dass der seit Jahrzehnten standardisierte Frequenzbereich von 100 bis 3150 Hertz deutlich zu tieferen Frequenzen, mindestens bis 50 Hz ausgeweitet werden muss, um eine den Nutzungserwartungen entsprechende Bewertung zu erreichen. Darüber hinaus ließen sich Bewertungsmethoden identifizieren, die im Vergleich zum Norm-Trittschallpegel eine bessere Prognosequalität liefern. Auf dieser neuen Grundlage wurden Anforderungswerte für die verschiedenen Bewertungsmethoden formuliert. Sie beruhen auf einer subjektiven Bewertung und stellen den prozentualen Anteil von Personen dar, die sich durch Trittschall bestimmter Intensität belästigt fühlen. Diese Übersetzung von dB-Werten in eine subjektiv nachvollziehbare Qualität bedeutet für die Bauakustik einen enormen Fortschritt. Damit können z.B. Planer und Bauunternehmer mit den Nutzern ein individuelles Schallschutzniveau definieren, das ihrem Ruhebedürfnis entspricht. Stehen dafür auch noch preiswerte und zugleich wirksame Deckensysteme zur Verfügung, ist die gute Nachbarschaft gesichert.