Klimastabilität historischer Gebäude

© Fraunhofer IBP

Modell des Paradeschlafzimmers in WUFI® Plus

© Bayrischen Seen- und Schlösserverwaltung

Paradeschlafzimmer Ludwig II in Schloss Linderhof

Im Auftrag der Bayerischen Schlösserverwaltung hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP unter anderem die Auswirkungen von Klima und Besuchern auf das Innenraumklima von Schloss Linderhof und des Königshauses am Schachen untersucht und gemeinsam neue Lösungsansätze entwickelt.

Das Raumklima ist für die Erhaltung von zentralem Interesse, denn etwa durch zu hohe tägliche Schwankungen der relativen Feuchte können Kunstwerke Schritt für Schritt zerstört werden. Für die Klimatisierung historischer Räume gibt es unterschiedliche Ansätze. Während im 20. Jahrhundert in Zeiten intensiver Nutzung energetischer Ressourcen historische Gebäude teils mit großen klimatechnischen Anlagen ausgerüstet wurden, werden heute kostengünstige, dezentrale oder gar passive Lösungen konzipiert, die zudem einen geringeren Eingriff in wertvolle Bausubstanz bedeuten. Für die Auslegung solcher Klimatisierungskonzepte ist jedoch eine genaue Kenntnis des klimatischen Verhaltens der historischen Räume und deren wertvoller, teilweise originaler Ausstattung notwendig.

Die Bauphysik bietet der Konservierungswissenschaft zahlreiche neue Möglichkeiten. In den letzten Jahrzehnten wurden grundlegende Erkenntnisse über den Transport von Wärme und Feuchte in Materialien gewonnen, die nun auch zur Untersuchung historischer Materialien und Räume zur Verfügung stehen. Durch die hygrothermische Gebäudesimulation können klimatische Bedingungen in Bauteilen sowie in ganzen Gebäuden beurteilt und Vorhersagen getroffen werden. So können Maßnahmen, die das Klima im Innenraum, die Veränderung von Bauteilen oder die der Konstruktion betreffen, bereits im Vorfeld auf ihre Wirkung hin beurteilt werden.

In Schloss Linderhof, mit jährlich rund 450 000 Besuchern zu den beliebtesten Schlössern in Bayern gehörend, wurden im Rahmen des Forschungsprojektes »Klimastabilität historischer Gebäude« detaillierte Untersuchungen zu Gebäudekonstruktion, Nutzung, Lüftung und Raumklima durchgeführt.

Ziel war es, für das Schloss eine Risikoabschätzung hinsichtlich Kunstwerken und Ausstattung zu erarbeiten und ein darauf basierendes Klimakonzept zu entwickeln. Zunächst wurde eine Gebäudesimulation von Teilbereichen am Beispiel des Paradeschlafzimmers durchgeführt. Um das Schloss und sein Raumklima besser zu verstehen, wurden zunächst die wesentlichen Randbedingungen der Baukonstruktion, Nutzung durch Besucher und Belüftung analysiert. Die relative Feuchte im Schloss liegt im Jahresmittel über 70 Prozent und ist damit relativ hoch, in Wohnräumen liegt sie normalerweise bei etwa 50 Prozent. In Kombination mit hohen Temperaturen im Sommer führt dies zu Schwüle und somit mitunter zu einem verringerten Komfortempfinden der Besucher. Um eine gute Belüftung im Schloss zu erreichen, werden bisher im Sommer Fenster und Türen geöffnet, was wiederum zu Risiken für die wertvolle Ausstattung führt. Der nächste Schritt war die Anwendung eines Simulationsmodells aufgrund der gewonnenen Daten. Dies wurde mit den gemessenen Raumklimadaten verglichen und weiterführende Untersuchungen zum Einfluss von Besuchern und Luftwechsel durchgeführt.

Nach umfangreicher wissenschaftlicher Untersuchung soll nun ein mehrstufiges Lüftungskonzept, das neue Ansätze zur präventiven Konservierung aufgreift, entwickelt werden. Die im Rahmen des Forschungsprojektes gewonnenen Erkenntnisse haben gezeigt, dass im Fall von Schloss Linderhof von einem ganzjährig absolut konstanten Klima abzuraten ist, das nur mit hohem technischen Einsatz erreichbar wäre. Bei der Klimatisierung von Räumen wird heute auch zunehmend auf Ressourcen schonende Maßnahmen und einfache dezentrale Lösungen gesetzt, wie zum Beispiel feuchtegesteuerte Temperierung, Entfeuchtung oder mechanische Lüftung.

Demonstrationszentrum

Das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege im Kloster Benediktbeuern

 

Geschäftsfeld

Kulturerbeforschung am Fraunhofer IBP

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