Projekte Psychoakustik und kognitive Ergonomie

Raumlabor für ganzheitliche Wirkungsforschung

Foto des HiPIE-Labors
© Fraunhofer IBP

© Fraunhofer IBP

Menschen verbringen heute den Großteil ihrer Lebenszeit in Räumen, ob während der Arbeit oder der  Freizeit. Daraus ergibt sich der Anspruch,  die Umgebungsbedingungen in Räumen so zu gestalten, dass  sie Gesundheit, Wohlbefinden  und Leistungsfähigkeit gewährleisten. Dazu sind  sowohl geeignete Zielgrößen zu  formulieren als auch bauliche und technische Lösungen bereitzustellen.

Bei der Suche nach Wirkzusammenhängen ist die Forschung in realen Räumen sehr aufwendig, langwierig und kostspielig. Daher bedarf es einer Testumgebung, in der Umgebungsbedingungen  schnell und einfach variiert werden können, um menschliche Reaktionen wie Wahrnehmung, Empfinden, Erleben und Verhalten  zu untersuchen.

Im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungsinitiative 
H
igh Performance Indoor Environment (HiPIE) wurde eine solche Testumgebung geschaffen. Das HiPIE-Labor ermöglicht auf einer frei gestaltbaren Raumfläche von ca. 45 Quadratmetern die gezielte Konditionierung der bauphysikalischen Umgebungsbedingungen Akustik, Beleuchtung, Raumklima und Luftqualität. So lässt sich z.B. eine virtuelle akustische Umgebung schaffen, indem eine Vielzahl von Schallquellen mittels der so genannten Wellenfeldsynthese eine nahezu beliebige räumliche Geräuschszene erzeugt. Darüber hinaus stellt eine steuerbare Tageslichtwand vor den Fenstern des Testraums nicht nur den virtuellen Blick aus dem Fenster bereit, sie gestattet auch wohl definierte Untersuchungen zur Balance von Tageslicht und Beleuchtungssystemen.

Die Wichtigkeit des Themas »Bürogestaltung« sowie die Auswirkungen neuer Bürokonzepte auf die Mitarbeiter werden häufig unterschätzt. Gerade in Großraumbüros führen schlechte Akustik und enges Zusammensitzen zu Ablenkung und Beeinträchtigung der Privatsphäre. Dadurch sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter, auch das persönliche Wohlbefinden wird durch die erhöhte Stressbelastung beim Arbeiten maßgeblich beeinträchtigt.

Da die empfundene Belastung am Arbeitsplatz neben bauphysikalischen Faktoren von einer Reihe weiterer Faktoren, nämlich Aspekten der Arbeitsorganisation und der sozialen Interaktion, abhängt, sind Mitarbeiterbefragungen in Firmen neben den Versuchsanordnungen im Labor eine wichtige Informationsquelle. Den Mitarbeitern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, unmittelbar Einfluss auf die Gestaltung Ihrer Arbeitsplätze zu nehmen. So werden die Arbeitsabläufe nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimiert, sondern auch spezifische Maßnahmen zur Gesundheitsprävention ergriffen. Schon geringfügige Umgestaltungen (wie neue Organisation oder Zonierung der Arbeitsplätze durch Trennwände) können in vielen Fällen helfen, den Stress zu reduzieren und so langfristig Erkrankungen vorzubeugen.

Dieser Zusammenhang zwischen schlechter Arbeitsumgebung und gesundheitlicher Beeinträchtigung gilt aber nicht nur für Büroräume, sondern auch für Räume in Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern und anderen Gebäuden, für deren Untersuchung das HiPIE-Labor bestens geeignet ist.