Gebäude, Städte und Quartiere von morgen im Fokus der Forschung

20. Juli 2020

In der Fraunhofer-Initiative Morgenstadt entstehen Maßnahmen und Lösungen, um Städte und Regionen zukunftsfähig zu machen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP ist seit der Gründung dabei. Dabei bringen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Kompetenzen und fundierten Erfahrungen aus der täglichen Forschungsarbeit – nämlich der Entwicklung von innovativen und nachhaltigen Energiekonzepten für Gebäude, Quartiere und Städte – in die Initiative ein.

Burgholzhof Stuttgart
© Fraunhofer IBP
Burgholzhof Stuttgart.

Die Bundesregierung hat sich im Pariser Abkommen völkerrechtlich verbindlich verpflichtet, anspruchsvolle Klimaschutzziele zur Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius festzulegen und durch Klimaschutzbeiträge zu erreichen. Gemäß dem Klimaschutzplan der Bundesregierung soll bis zum Jahr 2050 der nationale Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein. Dies bedeutet, dass Neubauten einen sehr hohen energetischen Standard aufweisen müssen und die Bestandsgebäude energetisch ambitioniert zu sanieren sind. Die Energieversorgungskonzepte müssen zudem - wo immer das praktisch möglich ist – die Nutzung erneuerbarer Energien beinhalten.

So plant, betreut und bewertet die Arbeitsgruppe Gebäude – Quartier – Stadt der Abteilung Energieeffizienz und Raumklima (EER) am Fraunhofer IBP schon seit vielen Jahren Niedrigstenergie-, Null-Emissions- und Plusenergie-Häuser und forscht an Konzepten für CO2-neutrale bis hin zu Plusenergie-Quartieren oder Städten und Gemeinden. Auftraggeber sind häufig öffentliche und private Bauträger, Fertighausfirmen, Systemhersteller oder Energiedienstleister.

In zahlreichen Projekten werden hocheffiziente Gebäudekonzepte mit Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Reduktion fossiler Brennstoffe entwickelt sowie hocheffiziente Sanierungskonzepte exemplarisch realisiert und messtechnisch bewertet. Die Mitarbeiter des Fraunhofer IBP konzipieren dabei innovative Niedrigstenergie-Siedlungen, bei denen die Reduzierung von Lüftungs- und Wärmeverlusten, die effiziente Wärmeversorgung und die standortnahe Stromversorgung, beides unter Nutzung von erneuerbaren Energien, im Fokus stehen. So können in Pilotvorhaben sogar klimaneutrale Stadtquartiere entstehen.

Zudem unterstützen die IBP-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler bei der Erstellung von kommunalen Energie- und Klimaschutzkonzepten. Die Kundengruppe erstreckt sich von kleinen und großen Kommunen über Landkreise bis hin zu Megastädten. Die Bundesregierung bzw. die verantwortlichen Bundesministerien sowie Bundesländer und Kommunen berät das Fraunhofer IBP bei der Weiterentwicklung von Gebäudenormen und energetischen Anforderungen.

Die Ergebnisse und Erfahrungen des Fraunhofer IBP auf diesem Sektor sind national wie auch international gefragt; so war das Fraunhofer IBP Leiter der Themen »Prozeduren« und »Niedrigstenergiegebäude« der Länderplattform Concerted Action zur EU-Gebäuderichtlinie »Energy Performance of Buildings Directive« (EPBD) und war und ist beteiligt an EU-Forschungsprogrammen und Aktivitäten bei der Internationalen Energieagentur (IEA).

Außerdem arbeiteten Wissenschaftler des Instituts an dem kürzlich erschienenen Positionspapier »Zukunftsfähige Städte und Regionen – Eine neue Strategie für die breite Umsetzung nachhaltiger Stadtentwicklung in Deutschland« der Morgenstadt-Initiative mit. Darin finden sich die gebündelten Erkenntnisse aus zehn Jahren Systemforschung.