Das Fraunhofer IBP unterstützt die Energie- und Ressourcenwende im vietnamesischen Bauwesen

Presseinformation / 23. Oktober 2019

In enger Zusammenarbeit mit deutschen und vietnamesischen Partnern wird das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in den nächsten drei Jahren Forschungseinrichtungen in Hanoi aufbauen, um Grundlagen für eine lokale, bauphysikalische Materialforschung zu legen. Diese ermöglichen zum einen die Umsetzung von notwendigen fortschrittlichen Baustandards in Vietnam, zum anderen werden Hersteller dann in der Lage sein, ihre Baustoffe und Bausysteme für das anspruchsvolle tropische Klima zu optimieren sowie neue Produkte zu entwickeln. Im Rahmen einer Auftaktkonferenz fiel am 10. Oktober in Hanoi der Startschuss für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt CAMaRSEC (Climate-Adapted Material Research for the Socio-Economic Context of Vietnam).

Gruppenbild des CAMaRSECProjektteams
© NUCE
Gruppenbild des CAMaRSECProjektteams bei der Auftaktkonferenz am 10.10.2019 in Hanoi.
Raumklimamessgeräte in Hanoi
© Dirk Schwede
Installation der ersten Raumklimamessgeräte in Hanoi im CAMaRSEC-Projekt.
Besichtigung Freifeldtesteinrichtung Holzkirchen
© Dirk Schwede, CAMaRSEC Definitionsphase 2017
Besichtigung der Freifeldtesteinrichtung am Fraunhofer IBP in Holzkirchen.

Im Fokus der Auftaktkonferenz standen verlässliche und funktionstüchtige Lösungen für die breite Umsetzung des energieeffizienten und nachhaltigen Bauens in Vietnam. Prof. Dr. Hartwig Künzel vom Fraunhofer IBP betonte dabei, dass in Vietnam andere Randbedingungen als in Deutschland vorliegen und besonders auch die hygrothermischen Eigenschaften der Baumaterialien einen großen Teil der Untersuchungen einnehmen müssen. Bausysteme sollten unbedingt entsprechend der tropischen Bedingungen entwickelt werden, da in der Vergangenheit Bauschäden mit neuen und innovativen Bausystemen nicht funktioniert und daher das energieeffiziente Bauen diskreditiert haben.
Dr. Le Trung Thanh, der Generaldirektor des Vietnamesischen Instituts für Baumaterialien, sagte, dass die Bauherren in Vietnam zwar nachhaltig bauen möchten, dass aber verlässliche Lösungen notwendig sind. Das Bauministerium plant derzeit die Einrichtung von bauphysikalischen Testlaboren zur Umsetzung der bestehenden Gebäudeenergiestandards. Vu Thi Kim Thoa, Beraterin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, erklärte, dass den Bauherren gezeigt werden muss, dass innovative Lösungen auch positive Auswirkungen haben und verlässlich und ohne hohe Mehrkosten umgesetzt werden können. In diesem Zusammenhang könnte auch der Export deutscher Produkte rund um den Mauerwerksbau oder deren Herstellung vor Ort eine interessante Option sein, die es während des Projekts zu prüfen gilt. Dr. Bui Hong Hue, der Rektor des College of Urban Works and Construction, betonte, dass dazu aber auch – hinsichtlich der Umsetzung innovativer Bauweisen – Handwerker gezielte Schulungen erhalten sollten. Das umsetzungsorientierte Forschungsprojekt CAMaRSEC verbindet diese Aktionsfelder und fördert die deutsch-vietnamesische Zusammenarbeit in der Bauforschung und der Bauausführung.


Die Projektpartner


Das Fraunhofer IBP wird nun – zusammen mit dem Vietnamesischen Institut für Baumaterialien (VIBM, ein Institut unter dem Vietnamesischen Bauministerium) – ein Bauphysiklabor sowie ein Freilandtestfeld nach dem Vorbild der Fraunhofer IBP Einrichtungen in Stuttgart und Holzkirchen aufbauen und dabei von der Firma TAURUS Instruments AG als Industriepartner unterstützt.
Um die Umsetzung notwendiger Bauqualitäten zu gewährleisten, erarbeiten die Projektpartner Bau Bildung Sachsen e.V. und das College of Urban Works and Construction in Hanoi materialgerechte und lokal angepasste Lehrpläne für die Ausbildung von einheimischen Handwerkern.
Die lokalen klimatischen und nutzungsspezifischen Randbedingungen werden mittels umfangreicher Nutzerbefragungen durch die Universität Hamburg sowie anhand von Raumklimamessungen durch die Universität Stuttgart, die National University of Civil Engineering in Hanoi und die Ton Duc Thang University in HCMC ermittelt. Die Forscher der Universität Stuttgart bewerten auch den Lebenszyklus von Bausystemen und entwickeln zusammen mit dem VIBM ein Kennzeichnungssystem für Baumaterialien auf dem vietnamesischen Markt. Als Projektleiter und -koordinator fungiert Dr. Dirk Schwede von der Universität Stuttgart.

Das Projekt »Klimaangepasste Materialforschung für den Sozioökonomischen Kontext in Vietnam« (CAMaRSEC) wird als »CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen« Vorhaben im Rahmenprogramm »Forschung für Nachhaltige Entwicklung – FONA« des BMBF unter Förderkennzeichen 01LZ1804A-E für die Projektlaufzeit von 7/2019-6/2022 mit insgesamt etwa 2,1 Mio. Euro gefördert.