Hy4HoGa – Hygiene-Konzepte für Großraumbereiche in Hotel- und Gaststättenbetrieben

Gebäudesystemlösungen
© Fraunhofer IBP
Indoor Air Test Center am Fraunhofer IBP.

Gastronomie, Hotellerie, die Veranstaltungsbranche und auch »Zulieferer« wie Brauereien, Caterer oder Messebauer leiden stark unter den Maßnahmen, die zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie ergriffen werden mussten. Wie die Ansteckungswahrscheinlichkeit über Aerosole im Gastgewerbe reduziert und damit der Betrieb von stark frequentierten Großraumbereichen kostendeckend gewährleistet werden kann, untersucht das Fraunhofer IBP gemeinsam mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e. V. sowie der vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.) im Rahmen des Projekts »Hy4HoGa«.

Projektziele

Es gilt, neue Lösungen zur Verringerung der Viruslast in der Luft zu erarbeiten oder bestehende aus anderen Bereichen zu adaptieren, die kostengünstig und ohne großen baulichen Aufwand schnell umsetzbar sind. Ziel ist die Entwicklung von Empfehlungen und prototypischen Hygienekonzepten für diverse Raumsituationen – von Bars und Kneipen bis hin zu Veranstaltungs- und Konferenzräumen sowie die Schaffung einer besseren Standardisierung mit einer verlässlichen, wissenschaftsbasierten Struktur zu schaffen.

Stand des Projektes

Im Filterprüfstand und Modellraum des »Indoor Air Test Center« des Fraunhofer IBP untersuchen die Forschenden in repräsentativen Szenarien die Wirksamkeit und geeigneten Einsatz von ausgewählten Luftreinigungstechnologien (z. B. Filter mir HEPA-Klasse, UV- und Plasma-Desinfektion usw.) anhand von Corona-Surrogat-Viren. Neben Effizienz und Abbaurate sind hierbei eventuelle Beiprodukte hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Innenraumluftqualität zu analysieren. Zusätzliche Simulationen der Luft- und Aerosolausbreitung ermöglichen, potentielle Installationspositionen oder die Anzahl benötigter Geräte zu ermitteln. Mit den Versuchsdaten werden letztlich auch Simulationsmodelle validiert, die für die Berechnung weiterer typischer Szenarien im Gastgewerbe verwendet werden.

Bisher konnten bereits Untersuchungen mit Corona-Surrogat-Viren durchgeführt werden, so dass die Versuchsstrategien mit künstlich eingebrachtem Aerosol in ausreichenden Virenkonzentrationen durchgeführt werden können. Messungen wurden mit ersten Luftreinigungstechnologien durchgeführt. Es zeichnet sich ab, dass nicht nur die bereits bekannte Abscheidung durch HEPA-Filter bei ausreichendem Luftvolumenstrom die Virenlast reduziert, sondern auch Technologien wie UV-C / Ionisierung / Ozon-Luftreinigung eine Wirkung gegenüber den Corona-Surrogat-Viren entfalten. Aktuell werden nun die Größenordnungen der möglichen Inaktivierung und die entstehenden Beiprodukte untersucht. Weitere Technologien werden zudem einbezogen und Betrieben nützliche und realisierbare Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben. Damit könnten Luftreinigungstechnologien als ergänzender Baustein für die jeweiligen betrieblichen Hygienekonzepte bei Bedarf hinterlegt werden. Überall dort, wo normale Lüftung nicht ausreicht, sind die Luftreinigungstechnologien – mobil oder in Lüftungsanlagen integriert – eine zusätzliche Option, um die Viruslast zu reduzieren.

 

Forschungsergebnisse

  • Luftreinigungstechnologien (z.B. Filter, UVC-Bestrahlung, Ionisation/Plasma oder Ozon-Zugabe) können Corona-Viren entfernen oder inaktivieren auch ohne unerwünschte schädliche Beiprodukte.
  • Dafür müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllt sein, welche die wissenschaftliche Untersuchung des Fraunhofer IBP herausarbeitet.
  • Das Ansteckungsrisiko wird durch die Reduktion der Virenlast merklich verringert: Je nach Technologie bei zweistündigem Betrieb bis zu 99 Prozent geringere Virenkonzentration.
  • Es werden Anforderungen an Raumluftreiniger (Luftstrom, Reinigungseffizienz, Geräuschemission, Produktsicherheit, Betrieb und Wartung) und an den Aufstellort zur Reduktion des Infektionsrisikos dargestellt.
  • Darüber hinaus kann bestätigt werden, dass die konsequente Lüftung von Innenräumen ein wichtiger Baustein ist, um die Ansteckungs-wahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Fördergeber

  • Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

Projektpartner

  • Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V.
  • vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.