ReAsCon – innovative Aufbereitung für unerwünschtes Erbe

Hochstraße in Ludwigshafen
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Blick auf die Hochstraße in Ludwigshafen, bei deren Rückbau etwa 310.000 Tonnen Beton anfallen.

In der Bauwirtschaft stehen wir vor einer bedeutenden Herausforderung: Jährlich werden in Deutschland rund 90 Prozent der inländischen mineralischen Rohstoffe für Bauprojekte verwendet. Gleichzeitig landen viele wertvolle Bauabfälle, insbesondere aus älteren Gebäuden, auf Deponien oder werden nur unzureichend verwertet. Besonders betroffen sind Bauwerke, die zwischen den 1960er und 1980er Jahren errichtet wurden und faserhaltige Silikatmineralien enthalten. Diese historischen Kontaminationen führen dazu, dass recyclingfähiger Beton oft als Sondermüll entsorgt werden muss. Mit dem Projekt ReAsCon wird daher ein innovativer Ansatz zur Aufbereitung unerwünschten Erbes in der Bauindustrie verfolgt.

Projektziele

Das Hauptziel des Projekts ReAsCon ist die Entwicklung innovativer Lösungen zur selektiven Abtrennung und Aufbereitung von belastetem Abbruchmaterial. Am Beispiel der Hochstraße in Ludwigshafen, wo beim Rückbau etwa 310.000 Tonnen Beton anfallen, arbeitet das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP eng mit seinen Projektpartnern zusammen. Die chemisch-mineralogische Charakterisierung des Abbruchmaterials erfolgt durch modernste Analyseverfahren, darunter Röntgendiffraktometrie und Röntgenfluoreszenzanalyse. Ein besonderer Fokus liegt auf der Untersuchung der Feinfraktionen unter zwei Millimetern, da sich in diesen kritische Faserstoffe anreichern können. Der gesamte Prozess zielt darauf ab, die belasteten Anteile zu separieren und hochwertige Baustoffe wie Porenbeton, Recycling-Betone oder Zementersatzrohstoffe zu gewinnen.

Stand des Projektes

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP bringt im Verbundprojekt ReAsCon seine langjährige Expertise in der Analyse und Aufbereitung mineralischer Stoffströme ein. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IOSB wird ein neuartiges Detektionsverfahren entwickelt, das eine schnelle und effektive Vor-Ort-Erkennung von Mineralfasern ermöglicht. Dieses kamerabasierte System nutzt den Pleochroismus-Effekt und erfordert keine aufwendige Probenvorbereitung. Nach der erfolgreichen Separierung der belasteten Bestandteile werden Verwertungswege für die gereinigten Fraktionen erschlossen. Der institutseigene Sattdampfautoklav ermöglicht die Produktion von Demonstratoren im vorindustriellen Maßstab. Zudem unterstützt das IBP die Installation und Validierung des Detektionssystems beim Praxispartner und begleitet die Großversuche wissenschaftlich. Mit diesem umfassenden Ansatz leistet das Fraunhofer IBP einen wichtigen Beitrag, um wertvolle Sekundärrohstoffe in den Kreislauf zurückzuführen, Deponiekapazitäten zu sparen und die Klimabilanz des Bausektors nachhaltig zu verbessern.

Projektpartner

  • Technische Universität Darmstadt - Institut für Massivbau (Projektkoordinator)
  • Scherer & Kohl GmbH
  • Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen mbH
  • Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
  • Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
  • Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V.
  • Metropolregion Rhein-Neckar GmbH
  • Industrial Ecology, Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) der Hochschule Trier
  • Stadtverwaltung Ludwigshafen