POMPEII SUSTAINABLE PRESERVATION PROJECT schließt Vorbereitungskampagne erfolgreich ab

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Nekropolen, römische Friedhöfe, waren in den Zeiten der Antike mehr als nur Begräbnisstätten für verstorbene Verwandte und Freunde. Sie waren Teil des sozialen Lebens, dienten als Begegnungsstätten und zeugten vom Reichtum bedeutender Familien. Deren Grabmäler sind oftmals nicht minder aufwändig gebaut als die Häuser in den Städten. Der Erhalt dieser Bauten vor den Toren Pompejis ist daher von ebenso großer Bedeutung wie derjenige der Wohnquartiere. Das POMPEII SUSTAINABLE PRESERVATION PROJECT nimmt sich deshalb des größten Gräberareals der antiken Stadt an. Die Nekropole vor der Porta Nocera wird in den kommenden fünf Jahren im Mittelpunkt der Arbeiten stehen und somit erneut zur Begegnungsstätte werden. Im Rahmen dieser Arbeiten kommen Archäologen und Historiker, Naturwissenschaftler und Restauratoren sowie Studenten und Schüler in Pompeji zusammen, um zu forschen, zu lehren und zu lernen. Die erste, zweimonatige Kampagne wurde am 14.11.2014 erfolgreich abgeschlossen.

Blick über die Nekropole auf den Vesuv.
© Fraunhofer IBP
Ort des Geschehens: Blick über die Nekropole auf die Porta Nocera und den Vesuv.
Wissenschaftler im Ostabschnitt der Nekropole.
© Fraunhofer IBP
Diskussion mit der interessierten Öffentlichkeit und Wissenschaftlern während des ersten Workshops im Ostabschnitt der Nekropole.
Besiegelung der Zusammenarbeit zwischen CNR und Fraunhofer Institut.
© Frauhofer IBP
Am 12.03.2014 wurde die Zusammenarbeit mit dem italienischen CNR unter Anwesenheit des CNR Präsidenten Prof. Dr. Luigi Nicolais und dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Raimund Neugebauer, besiegelt. (v.L.n.R.:) Prof. Dr. Klaus Peter Sedlbauer (Direktor Fraunhofer IBP), Prof. Dr. Daniele Malfitana (Direktor CNR IBAM), Prof. Erwin Emmerling (Dikretor des Lehrstuhls für Restaurierungswissenschaften der TU München), Prof. Dr. Luigi Nicolais (Präsident des Consiglio Nazionale delle Ricerche), Prof. Dr. Raimund Neugebauer (Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft), Dr. Ralf Kilian (Koordinator PSPP) e Dr. Anna Anguisola (Koordinator PSPP).

Freigelegt wurde die Nekropole vor der Porta Nocera erstmals in den 1950er Jahren. Seither waren die 60 Grabmäler der Zeit und der Witterung weitgehend ungeschützt ausgesetzt. Bevor es nun, gut 60 Jahre später, an die Restaurierung und Konservierung der Bauten auf der größten Friedhofsanlage Pompejis gehen kann, startete das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP gemeinsam mit den Projektpartnern eine Dokumentationskampagne. Ein  Expertenteam bestehend aus einer italienischen Restauratorin, einer deutschen Archäologin sowie drei Studentinnen vom Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft der TU München und Mitarbeitern des Istituto per i Beni Archaeologici e Monumentali des Consiglio Nazionale delle Richerche konnten in den letzten zwei Monaten eine Bestandsaufnahme der Nekropole erstellen.

In diversen Führungen wurden die laufenden Arbeiten der interessierten Öffentlichkeit, darunter einer Reihe von Schulklassen aus der Region, vorgestellt. Dr. Ralf Kilian, Projektleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer IBP, erklärt die Vorgehensweise: »Wir müssen zunächst feststellen, in welchem Zustand die Bauten sind. Hand in Hand mit dieser Beurteilung geht die Kostenabschätzung für die geplante Restaurierung sowie die Frage nach konkreten Forschungs- und Lehrthemen.« Auf der Grundlage der gesammelten Informationen konnte das Team einen Rettungsplan für die Nekropole erarbeiten,  geophysikalische Untersuchungen durchführen und eine virtuelle Tour durch die Nekropole erstellen, die es ermöglicht die Grabbauten online einem breiten Publikum nahezubringen.

Ein Aufgabengebiet ganz nach Wunsch

Gedeckt wurden die Kosten dieses zweimonatigen Arbeitsabschnitts mit Mitteln, die der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft sowie das Fraunhofer IBP und das CNR IBAM zur Verfügung stellen. Dr. Ralf Kilian und seine Kollegen in der Projektleitung, Dr. Albrecht Matthaei und Dr. Anna Anguisola, sind jedoch weiterhin auf der Suche nach Förderern, denn die Mitglieder des POMPEII SUSTAINABLE PRESERVATION PROJECT haben ehrgeizige Ziele: Neben der vorbildlichen Restaurierung und der dauerhaften Sicherung der antiken Bauten will das Team in den kommenden fünf Jahren innovative und nachhaltige Methoden und Strategien entwickeln, um weiterem Verfall auch bei anderen historischen Stätten und Denkmälern vorzubeugen. »Die Nekropole hat alles, was wir uns gewünscht haben«, freut sich Matthaei. »Hier können wir antiken Putz und Mörtel, Wandmalereien und Statuen ebenso erforschen und restaurieren sowie die komplette Baustruktur.« In den kommenden Jahren sollen auch fünf Sommerakademien abgehalten werden, um Studenten und jungen Fachleuten neue Methoden und Techniken zum Erhalt des kulturellen Erbes zu vermitteln.

Ein zentraler Partner des POMPEII SUSTAINABLE PRESERVATION PROJECT ist die Soprintendenza Speciale per i Beni archeologici di Pompei, Ercolano, Stabia. »Wir begrüßen die Initiative und das Engagement des Fraunhofer IBP in Pompeji und freuen uns über das gemeinsame Projekt«, erklärt ihr Leiter Prof. Dr. Massimo Osanna.
Intensiviert werden konnte auch die Zusammenarbeit mit dem italienischen Consiglio Nazionale delle Richerche: mit dem dort angesiedelten Istituto per i Beni Archaeologici e Monumentali hat die Fraunhofer-Gesellschaft gemeinsam mit ihren Partnern von der Technischen Universität München und dem an die UNESCO angesiedelten International Centre for the Study of the Preservation and Restoration of Cultural Property (ICCROM) kürzlich ein Memorandum of Understanding unterschrieben.

Private Förderung für wissenschaftliche Initiative

Für dieses erste Restaurierungsvorhaben auf der Nekropole, das im Jahr 2020 abgeschlossen werden soll, braucht das »Pompeii Sustainable Preservation Project« rund sechs Millionen Euro. Das gesamte Projekt zum Erhalt des kulturellen Erbes in der antiken Stadt ist zunächst auf zehn Jahre ausgelegt und wird in dieser Zeit eine Fördersumme von insgesamt etwa 10 Millionen Euro benötigen, um die geplanten Arbeitsschritte in der notwendigen Qualität umsetzen zu können. Das Projekt-Konsortium ist deshalb auf der Suche nach Mäzenen und Sponsoren, denen der Erhalt dieser für die europäische Kultur so bedeutsamen Stätte wie auch die Förderung von Forschung und Ausbildung ebenso am Herzen liegen wie ihnen.