AMBIENT: Innovative Materialien für klimaresiliente öffentliche Infrastruktur

EU-Projekt untersucht den Weg von Materialinnovationen in die öffentliche Beschaffung

Hitzeperioden, Starkregen und steigender Energiebedarf stellen Städte und Gemeinden vor neue bauliche Herausforderungen. Gefragt sind Lösungen, die Infrastruktur widerstandsfähiger und energieeffizienter machen und zugleich dazu beitragen, dass öffentliche Räume attraktiv, zugänglich und lebenswert bleiben.

Eine zentrale Frage ist dabei: Wie kommen Innovationen dorthin, wo sie gebraucht werden – in konkrete Bau- und Infrastrukturprojekte?

Genau hier setzt das EU-geförderte Projekt AMBIENT (Advanced Materials for NEB-Inspired Environmental Public Procurement) an. Gemeinsam mit Partnern aus zehn europäischen Ländern untersucht das Fraunhofer IBP, wie innovative Materialien in der öffentlichen Beschaffung stärker berücksichtigt werden können. Dazu werden die Bedarfe öffentlicher Auftraggeber mit verfügbaren Materialinnovationen abgeglichen und die Schnittstellen zwischen Kommunen, Forschung und Markt genauer betrachtet.

AMBIENT orientiert sich dabei an den drei Leitprinzipien des New European Bauhaus (NEB): Nachhaltigkeit, Ästhetik und soziale Inklusion. Sie sollen nicht nebeneinanderstehen, sondern gemeinsam in die Entwicklung und Beschaffung öffentlicher Infrastruktur einfließen.

Warum gute Materialinnovationen nicht automatisch auf der Baustelle landen

Viele neue Materiallösungen versprechen Fortschritte bei Klimaanpassung, Energieeffizienz oder Ressourcenschonung. Dennoch gelangen viele dieser Innovationen nur vereinzelt oder mit großer Verzögerung in öffentliche Infrastrukturprojekte.

Der Grund liegt nicht allein in der Technik. Öffentliche Auftraggeber müssen technische Anforderungen, Nachhaltigkeitsziele, Vergaberecht und Wirtschaftlichkeit mit den konkreten Bedürfnissen der Gesellschaft zusammenbringen. Gleichzeitig fehlen bei neuen Technologien häufig belastbare Informationen: Wie ausgereift ist eine Lösung? Wo lässt sie sich einsetzen? Und wie kann sie in bestehende Beschaffungsprozesse eingeordnet werden? Öffentliche Auftraggeber tragen zudem eine Vorreiterrolle, weshalb sie nachhaltig handeln müssen. 

AMBIENT nimmt deshalb nicht nur einzelne Materialien in den Blick, sondern die Schnittstelle zwischen öffentlichem Bedarf und verfügbarem Innovationsangebot. Ziel ist es, Bedarfe sichtbarer zu machen und den Austausch zwischen Markt, Forschung und Beschaffung zu verbessern.

Fünf Hebel für eine innovationsorientierte Beschaffung

Im Projekt stehen fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt:

Bedarfe öffentlicher Auftraggeber identifizieren

Hürden zwischen Markt und Beschaffung analysieren

Dialog zwischen Kommunen, Forschung und Anbietern fördern

Wissen über innovative und zirkuläre Materialien austauschen

Grundlagen für innovationsorientierte Beschaffungsverfahren entwickeln

Beispielsweise durch Ansätze wie PCP (Pre-Commercial Procurement) und PPI (Public Procurement of Innovative Solutions)

Eine wichtige Rolle spielen dabei Open Market Consultations und weitere Dialogformate. Sie bringen Kommunen, Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen frühzeitig miteinander ins Gespräch. So können mögliche Lösungen technologieoffen betrachtet und Anforderungen aus der Praxis besser mit dem Angebot des Marktes abgeglichen werden.

Was das Fraunhofer IBP beiträgt

Im internationalen Konsortium übernimmt das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP die wissenschaftliche Betrachtung innovativer Materialien. Die Forschenden analysieren den Stand der Technik, bewerten Materialtechnologien und ordnen deren Potenziale und mögliche Anwendungsfelder ein. Hinzu kommen Beiträge zu Validierungs- und Bewertungsprozessen sowie zur Anwendungs- und Marktreife.

Damit geht es um eine entscheidende Übersetzungsleistung: Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen so aufbereitet werden, dass öffentliche Auftraggeber daraus belastbare Entscheidungsgrundlagen für künftige Beschaffungsvorhaben gewinnen können.

Von der Materialinnovation zum öffentlichen Raum

AMBIENT verfolgt dabei einen technologieoffenen Ansatz. Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Bedingungen innovative Materialien einen Beitrag zu nachhaltigen, klimaresilienten und lebenswerten öffentlichen Räumen leisten können. Dafür bringt das Projekt unterschiedliche Perspektiven zusammen: Kommunen und öffentliche Auftraggeber, Unternehmen und Start-ups sowie Forschungseinrichtungen. Der Austausch soll helfen, konkrete Bedarfe der öffentlichen Hand besser mit verfügbaren und künftigen Innovationen zu verbinden.

Langfristig sollen die Projektergebnisse dazu beitragen, nachhaltige, klimaresiliente und lebenswerte öffentliche Räume zu ermöglichen. Im Verständnis des New European Bauhaus gehören dazu nicht nur technische und ökologische Kriterien, sondern ebenso Ästhetik und soziale Inklusion.